Das Plusquamperfekt – Gebrauch

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Grundbedeutung

In seiner Grundbedeutung beschreibt das Plusquamperfekt eine Aktion in der Vergangenheit, die sich vor einer anderen Aktion in der Vergangenheit ereignet hat. (Deshalb wird das Plusquamperfekt in der deutschen Grammatikterminologie als Vorvergangenheit bezeichnet.)

Beispiel:
Letzte Woche hat man ihn aus dem Krankenhaus entlassen. Er hatte sich vor sechs Wochen das Bein gebrochen.
An einem Tag verlor er alles, wofür er jahrelang gearbeitet hatte.
1990 begann sie mit ihrem Studium. Davor hatte sie schon einige Jahre als Sekretärin gearbeitet.

Das Plusquamperfekt ist abhängig von einem Kontext, der aber nicht immer explizit (z. B. im vorangegangenen Satz) benannt werden muss.

Beispiel:
Als Kind hatte er in Berlin gewohnt.
(Der Kontext („Er hat als Kind später noch an einem anderen Ort gewohnt.“) wird vom Hörer implizit verstanden.

Verwendung des Plusquamperfekts

In der heutigen gesprochenen und teilweise auch in der geschriebenen Sprache wird das Plusquamperfekt oft durch Perfekt oder Präteritum ersetzt. Das gilt besonders im gesamten süddeutschen Raum.


Beispiel:
Letzte Woche hat man ihn aus dem Krankenhaus entlassen. Er hat sich vor sechs Wochen das Bein gebrochen.

In anderen Regionen wird dagegen das Perfekt umgangssprachlich durch das Plusquamperfekt ersetzt, auch wenn keine Vorzeitigkeit vorliegt.

Beispiel:
A: Woher kommst du?
B: Ich war beim Arzt gewesen. (anstatt: bin .. gewesen)

Temporalsätze mit nachdem

Standardsprachlich sollte in Sätzen mit nachdem obligatorisch Vorzeitigkeit verwendet werden. Das bedeutet, wenn der Hauptsatz im Perfekt oder Präteritum steht, muss im Nebensatz (=nachdem-Satz) Plusquamperfekt stehen.

Beispiel:
Hauptsatz Präteritum/Perfekt – Nebensatz vorzeitig = Plusquamperfekt
Ich traf mich mit meiner Freundin, nachdem ich die Hausaufgaben gemacht hatte.
Ich habe mich mit meiner Freundin getroffen, nachdem ich die Hausaufgaben gemacht hatte.

Beachte: Diese standardsprachlichde Regel wird sowohl in der mündlichen als auch in der schriftlichen Gegenwartsprache häufig nicht beachtet.

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