Was ist der Unterschied zwischen Zustandsreflexiv und Zustandspassiv?

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Formbildung: Zustandsreflexiv und Zustandspassiv

Zunächst einmal entsprechen sich das Zustandspassiv und der Zustandsreflexiv in der Form(bildung). Beide werden mit sein plus Partizip II gebildet.

Beispiel: sein + Partizip II
Zustandspassiv: Die Küche ist geputzt.
Zustandsreflexiv: Peter ist verliebt.

Unterschied: Zustandsreflexiv und Zustandspassiv

Trotzdem erkennt man (hoffentlich ;) ) den Unterschied in den beiden Beispielsätzen, denn die Küche hat sich nicht selbst geputzt, während Peter sich natürlich selbst verliebt hat.

Die Küche war an der (im Verb ausgedrückten) Aktion („putzen“) also nur passiv („Zustandspassiv„) beteiligt. Aber Peter war an der (im Verb ausgedrückten) Aktion („verlieben“) aktiv („Zustandsreflexiv„) beteiligt

Das erkennt man, wenn man die beiden Beispielsätze oben genauer anschaut.

Beispiel: Zustandspassiv
Aktiv: Peter putzt die Küche.
Passiv: Die Küche wird von Peter geputzt.
Zustandspassiv: Die Küche ist geputzt.

Beispiel: Zustandsreflexiv
Aktiv: Peter verliebt sich (in Anna).
Passiv: — (nicht möglich)*
Zustandsreflexiv: Peter ist (in Anna) verliebt.

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*Beachte: (Echte!) Reflexive Verben können kein Passiv bilden. Siehe dazu auch: Verben ohne Passiv

Potentielle Zweideutigkeit der Form sein + Partizip II

Bei bestimmten Verben, die man reflexiv und nicht reflexiv verwenden kann („reflexiv gebrachte Verben“), ist die Form sein plus Partizip II potentiell zweideutig. Es kann sich also sowohl um ein Zustandspassiv als auch um einen Zustandsreflexiv handeln.

Beispiel: Zustandspassiv oder Zustandsreflexiv?
Peter ist rasiert.
=> zweideutig (Hat sich Peter selbst rasiert, oder hat jemand Peter rasiert?)

Woran das liegt, sieht man wieder, wenn man das Beispiel genauer anschaut.

Beispiel: Zustandspassiv
Aktiv: Der Friseur rasiert Peter.
Passiv: Peter wird vom Friseur rasiert.
Zustandspassiv: Peter ist rasiert.

Beispiel: Zustandsreflexiv
Aktiv: Peter rasiert sich.
Passiv: — (nicht möglich)*
Zustandsreflexiv: Peter ist rasiert.

Die Zweideutigkeit der Form entsteht nur(!) dann, wenn eine Person (im Beispiel: „Peter“) sowohl als handelnde Person (aktiv, Zustandsreflexiv), als auch als Objekt einer Handlung (passiv, Zustandspassiv) verstanden werden kann.

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Vergleiche hierzu das folgende Beispiel:

Beispiel: Zustandspassiv
Aktiv: Peter wäscht die Wäsche.
Passiv: Die Wäsche wird von Peter gewaschen.
Zustandspassiv: Die Wäsche ist gewaschen.

Beispiel: Zustandsreflexiv
Aktiv: Peter wäscht sich.
Passiv: — (nicht möglich)*
Zustandsreflexiv: Peter ist gewaschen.

Zum Thema reflexive Verben siehe: Reflexive Verben

Zum Thema Zustandspassiv siehe: Das Zustandspassiv

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